Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten, verkauft…!

Die Versteigerung in Bad Kreuznach am 23. September 2018 wirft ihren Schatten voraus.

Gut Hermannsberg – 1921er Schlossböckelheimer Kupfergrube Trockenbeerenauslese

Es ist ein monumentaler Dreiklang aus historischer Größe, phänomenalem Weinjahrgang und Top-Weinlage. Gut Hermannsberg zeigt mit dem 1921er nicht nur höchste Winzerkunst über Generationen hinweg, sondern vor allem einen Riesling als Exempel für perfekte Reife. Wer wird der neue Besitzer dieser Wein-Legende? Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten ….!

Die Historie: Der Wein zur Befreiungsfeier der Rheinlande 1926

Berühmte Persönlichkeiten tragen Orden. Dieser Wein trägt eine Halsbanderole. In noch heute gut lesbarer, verschnörkelter Schrift steht dort: „Dem Herrn Reichspräsidenten General Feldmarschall von Hindenburg bei der Befreiungsfeier in Köln am 21. März 1926 zum Ehrentrunk gereicht.“ Paul von Hindenburg besuchte damals den Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer. Ein symbolstarker Auftritt: Nach Ende des Ersten Weltkrieges besetzen die Briten die Rheinlande, später die Franzosen das Ruhrgebiet. Als Garantiepfand für noch nicht erbrachte Reparationszahlungen. Nach vehementen Streiks bis hinzu Anschlägen wurden die zuvor erdrückenden Entschädigungsleistungen an die wirtschaftlich geschwächte Situation des Deutschen Reiches angepasst. Eine Erleichterung! Zudem zogen die Franzosen 1925 aus dem Ruhrgebiet und die Briten 1926 aus den Rheinlanden ab. Adenauer schmetterte über diesen Triumph patriotisch: „In dankbarer Verehrung heiße ich Sie, Herr Reichspräsident, im Namen der ganzen Bürgerschaft, im Namen des ganzen Rheinlandes willkommen im freien Köln.“ Ein Zufall, dass ein Wein der damaligen Domäne gereicht wurde? Wohl kaum: Hindenburg besuchte mehrmals die königlich-preußische Weinbaudomäne und liebte deren Weine. Generationen von Betriebsleitern behüteten jahrzehntelang die 1921er Triumph-Flasche bei idealen Bedingungen im Raritätenkeller.

Der heutige Betriebsleiter Karsten Peter bestätigt die Einmaligkeit:

„Es ist die einzige Flasche mit dieser besonderen Historie. Sie ist perfekt erhalten und wird mit original Etikett, Korken und Zertifikat versteigert.“

Der Jahrhundert-Jahrgang: Ernte 1921 mit Rekordwert 308 Grad Oechsle

Er gilt als der größte deutsche Jahrgang des 20. Jahrhunderts und als einer der größten überhaupt: der 1921er. Genannt in einer Reihe mit den Jahrgängen 1949, -59 und -76. Unter anderem heißt es in den Aufzeichnungen der Domäne, mit preußischer Akribie geführt: „Das ganze Jahr 1921 zeichnete sich durch große Trockenheit und Wärme aus. (…) Dieses Wetter war für die Entwicklung der Reben und Trauben äußerst günstig.“ Schriftsteller und Dichter inspirierte der 21er zu Lobeshymnen. Die bekannten Worte Kurt Tucholskys – „Schade, dass man Weine nicht streicheln kann“ – beziehen sich auf diesen Jahrgang. Weiter schrieb er: „Ein 21er tief wie ein Glockenton. Das ganz große Glück. Man wurde ganz gerührt.“ Mit phänomenalen 308 Grad Oechsle wurden die vollreifen und rosinenartig eingeschrumpften Rieslingtrauben der Lage „Kupfergrube“ geerntet. Bereits ab 150 Grad Oechsle wird das Lesegut als Trockenbeerenauslese (TBA) bezeichnet. Die zur Versteigerung stehende TBA hat diesen Wert doppelt übertroffen, bis heute ein Rekordwert für das Weingut. Voller Bewunderung sagt Oenologe Karsten Peter:

„Mit dem 1921er Jahrgang hat die Kupfergrube zum ersten Mal weltweite Aufmerksamkeit bekommen. Es war eine Meisterleistung meines Vorgängers, diesen Wein bei 308 Grad Oechsle perfekt durch den Prozess des Gärung zu geleiten.“

Der Kult-Weinberg: Die „Kupfergrube“ als Leuchtturm für reife Rieslinge

Einst Bergwerk, heute international renommierte Weinlage und anerkannte „VDP.Große Lage“. Weinkritiker Hugh Johnson bezeichnete die „Kupfergrube“ in seinem 1971 veröffentlichten Weinatlas als großartigste Lage an der Nahe. Geschaffen wurde der terrassierte Weinberg in unzähligen Arbeitsstunden auf Anweisung des preußischen Staates ab dem Jahr 1902. Gut Hermannsberg besitzt zwölf der insgesamt 14 Hektar großen Lage. Die Reben wurzeln tief in vulkanischem Gestein, genannt „Melaphyr“. Die höchst mineralischen Weine aus dieser Lage präsentieren sich anfangs oft zurückhaltend, die Exzellenz zeigt sich im Alter. Das Besitzerehepaar Dr. Christine Dinse und Jens Reidel sowie der Betriebsleiter Karsten Peter entschlossen sich aus diesem Grund für die jetzige Versteigerung des 1921er: „Rieslinge sind geschaffen für Reife, nur das führt sie zur Vollendung. Und wir spüren, dass die Zeit reif ist für dieses Umdenken. Gebt den Rieslingen mehr Zeit!“ Karsten Peter verkostete die „1921er Schlossböckelheimer Kupfergrube Trockenbeerenauslese“ im Jahr 2017 und empfindet den Wein auf seinem Höhepunkt:

„Die Optik: ehrwürdig-elegant. Der fast 100 Jahre alte Wein schillert bronzefalben mit goldgelben Reflexen. Die Nase: außergewöhnlich frisch und phänomenal komplex. Ein Hauch Orangenzeste gesellt sich zum Duft von Edelkastanien-Honig. Ich rieche Krokant und feine Tabaknoten. Nur minimaler Duft von Rosinen. Am Gaumen: Wieder beeindruckt mich die Frische und Lebendigkeit. Man könnte ihn fast jugendlich nennen. Die Spannung ist deutlich spürbar. Süße und Säure befinden sich im Einklang. Die Struktur des Weines ist dicht gewoben, elegant wie feinste Seide. Schier endloses Finale.“

Die Versteigerung: Und wer wird stolzer Besitzer der Flasche?

Zum Ersten, zum Zweiten, und zum Dritten…! Seit Anbeginn der Wein-Versteigerungen des VDP.Nahe, beziehungsweise vormals des „Vereins der Naturwein-Versteigerer“, brach und bricht die ehemalige Staatsdomäne und das heutige Gut Hermannsberg Rekorde. Vor einem Jahr wechselte eine Magnumflasche „2015er Kupfergrube Trockenbeerenauslese“ mit 236 Grad Oechsle für 13.600 Euro Brutto den Besitzer. Der renommierte „Wine Advocate“ hatte sie bereits zuvor mit der Höchstbewertung von 100 Punkten dekoriert. Prominente und Politiker schmücken Bankette und Empfänge mit den edlen Weinen des Gutes: Die „1959er Kupfergrube Riesling Trockenbeerenauslese“ wurde beispielsweise bei der Hochzeitsfeier des britischen Thronfolgers Prinz Charles mit Diana Spencer im Jahr 1981 ausgeschenkt. Zu welchem Anlass wird die „1921er Schlossböckelheimer Kupfergrube Trockenbeerenauslese“ wohl getrunken? Karsten Peter trennt sich mit Wehmut, aber auch voller Stolz von diesem Schatz. Er wird die Flasche auf der Auktion persönlich vorstellen:

„Ich habe große Demut vor diesem Wein und bin sehr dankbar, ihn in seiner Hochform erleben zu dürfen. Ob ich dem Käufer raten würde, den Wein zu trinken? Selbstverständlich.“

Versteigerung VDP. Nahe & VDP.Ahr
So., 23. September 2018
Versteigerung 11 bis 13 Uhr
Römerhalle Bad Kreuznach

www.vdp-nahe.de